Bandonion – Instrumentenkunde
Technische Innovationen | Bau | Klang | Funktion
Ursprung & Historische Fakten
Inhaltsverzeichnis
- Namensgeschichte: vom Accordion zum Bandoneón
- Unterbrechungs-Aerophon | Klangbildung
- Konstruktion | Aufbau | Bezeichnung
- Ursprung
- Weltausstellungen & Gewerbeschauen
- Prospekte – Anzeigen -Tutoren
1. Die Namens-Entwicklung: Accordion >> Concertina >> Bandonion >> Bandoneón

Das Bandonion*neón ist eine wechsel- und gleichtönige „Konzertina“ in der Klasse der Handzuginstrumente im Instrumentenstamm der Harmonikas (Aerophone mit durchschlagender Metallzunge). Die Ahnentafel zeigt das Bandonion als Sonderfall in der Gattung der Konzertina, auf einer Ebene mit der Deutschen und Englischen Konzertina.
Carl Friedrich Uhligs Erstname lautete [Accordion neuer(Bau)Art]. Davon ließen er und auch Heinrich Band bis 1857 nicht ab. Gemeint war das <Accordieren> (aus frz., in einklang, übereinstimmung bringen), dass wenn Grundton/Terz/Quintton zur selben Zeit drückt werden, ein Akkord erklingt. Die Verwendung des Begriffs „Accordion“ muss also unbedingt im Kontext betrachtet werden, da wir heute unter „Akkordeon“ ein anderes Instrument verstehen. Doch das fällt Lexika und der Musikwissenschaft bisweilen recht schwer.
Der Name Concertina kommt von den Engländern, die die sächsischen „Accordions“ schon 1840 unter „German Concertina“ erwähnen und gedruckt ab 1846 in einem Tutor ebenfalls so bezeichnen. Die Namens-Adaption der ‚Concertina‘ zur Bandschen Eigenmarke „Bandonion“ erfolgte 1857. Ab etwa 1870 fand, gleichsam der Metamorphose vom <Accordion> zum <Akkordeon>, die neue Schreibweise „Bandoneon“ Anwendung. Daher wird es schon 1878 im Meyers Lexikon erstmals auch so vermerkt und eher im Export angewandt als innerdeutsch. Das „Akut“ über dem zweiten „Ó“ bekam es im Exil Lateinamerikas erst ab 1900 obenauf. Durch die weltweite Tango-Renaissance verdrängte die „eon“-Endung Ende des 20ten Jhd. fast ausnahmslos die „ion“-Endung. Beide Schreibweisen sind lt. Duden gültig, welche wann bevorzugt wird, dazu später.
Das im Halbwissen gebräuchliche „Bandonium“ stand auch im Duden, wurde aber nach 1981 wieder entnommen. In Anlehnung an der Endung des Harmoniums taucht das Wort handschriftlich in der französischen Übersetzung in einem Exemplar von Bands „Practischen Selbstlehrer“ auf.
Die Sachsen produzierten, für damalige Verhältnisse, riesige Mengen Harmonikas (wöchentlich 100 Dutzend), welche hauptsächlich nach England und dessen Kolonien exportierten wurden (entnommen königl. sächs. Leistungsbericht von 1864). Als Kaufmann hegte Band unbedingt Exportambitionen. Vielleicht wollte Band für den französichen Markt „Bandonium“ als Eigenmarke einzuführen? Für den englischen Markt war von Band „Patent-Bandonion“ vorgesehen. Das ist allerdings bisher in keiner Patentschrift auffindbar und nur in einer Anzeige von Band (ca. 1857) selbst erwähnt.
Bemerkenswert ist der Lerneffekt, der parallel mit der embryonalen Entwicklung bis zum Erwachsenwerden der eben genannten wechseltönigen Instrumente einhergeht. Egal ob Concertina oder Bandonion, der Eleve beginnt mit den Tasten 1-2-3 (li & re, auf Zudruck G-Dur, auf Zug D7) der Urtastenanlage von Buschmann/Thüringen. Über den Tasten eingestanzte Zahlen hatte sich Uhlig/Chemnitz ausgedacht, um Anfängern das Notenlernen zu ersparen. Diese Uhligsche Tastenlage (Kernzone) ist in jedwedem wechseltönigen Bandonion enthalten. Und in der Reihenfolge wie sich die Tastaturanlage bis zum Vollausbau entwickelte, muss der Schüler die Position der Töne erlernen, das ist die Crux des Instrumentes – Fluch & Segen gleichermaßen. Und wer im Tango von den Meistern unterrichtet werdet möchte, hat vor der ersten Etüde jeden Ton ohne Tabulatur zu benennen und tastsicher zu beherrschen.
Die Erweiterung der Tastaturanlage der ‚Concertina‘ forderten vor allem die versierten Spieler und wurde direkt oder über die Händler an die Instrumentenbauer herangetragen. Band kann hier als einer von vielen Boten der „Bittstellung um Tastaturerweiterung“ betrachtet werden. Die konstruktive Vervollkommnung und die unabdingbare Tonumfangerweiterung fanden stetig in einem Zeitraum von über hundert Jahren statt – von 10 bis zu 80 Tasten – von ein-, auf zwei- & mehrreihiger Anordnung. Auch der immer weitere Ausbau, insbesondere der „rheinischen“ Tastatur zum 142tönigen Bandonion (erst ca. 1910), vollzog sich in den sächsischen Manufakturen (verm. ELA) und nicht in Krefelds „Wunderwerkstatt“.
Vielleicht „genervt“, vom Handelsgebahren der findigen preisbewussten Kaufleute und Händler oder im unterlegenen Preiskampf mit C.F. Reichel, übergibt 1864 Zimmermann in Carlsfeld/Sachsen seinem Werkmeister Ernst L. Arnold (Marke „A“ – ab 1925 „ELA“) die gesamte Produktion und wandert in die „Staaten“ aus. Damit begründet sich die „Arnoldsche Dynastie“. Nach dem Ableben von Ernst L. Arnold (1838 – 1910) errichten seine Söhne Alfred und Paul ab 1911 noch eine parallele Produktionsstätte, ebenfalls in Carlsfeld. Dort entsteht, als höchster Fertigungsstatus je gebauter Bandonions, das legendäre „Doble A“ (Marke „AA“ ab 1929) und erlangte Weltruhm bis zum heutigen Tag. Die bewegte Geschichte der Arnolds ist mehr oder weniger bei Oriwohl zu finden. Mit den veröffentlichten Briefen der Töchter von Alfred Arnold in [Jürgen Karthes Buch „Von der Concertina zum Bandoneón“], kann die Liquidierung der Arnoldschen Fabrik 1949 nicht nur als bloße Enteignung in der SBZ (Sowjetisch Besetzte Zone) angesehen werden und Bedarf noch plausibler Erläuterung.
Federführend durch den deutschen Bandonionvirtuosen „Walter Pörschmann“ wurde 1924 auf einem „Bundeskongress der deutschen Konzertina-, Bandonion- und Akkordeonspieler“ veranlaßt, die unzähligen Tastaturlayouts zur „Einheitskonzertina“ und zum „Einheitsbandonion“ zu vereinheitlichen. Obwohl gerade Akkordlagen wesentlich „aufgeräumter“ und logischer angeordnet sind als beim „Rheinischen System“, war es für den lateinamerikanischen Markt zu spät, da dortige Schulen das „neue“ System nicht anwendeten. Bei den Vereinspielern in Deutschland war die im Diskant schwebende „zweichörige“ (verdoppelte Stimmenzungen Grundton‘, Grundton‘,) und die „halbdreichörige“ Stimmung (Grundton‘, Grundton‘, Oktave“) beliebt. Und diese Instrumentenstimmung konkurierte auf verlorenem Posten mit dem ebenfalls „schwebenden“ Akkordeon, welches, wegen der leichteren Erlernbarkeit, schon in dreißiger Jahren begann, Konzertina und Bandonion abzulösen. Während des Krieges kam die Produktion ohnehin zum erliegen. Viele zuliefernde Betriebe, wie die DIX-Werke und auch ELA wurden für kriegswichtige Produktion umgestellt. Doch neben den im Krieg „gefallenen“ Spielern, war dennoch diese „Schwebestimmung“ der Hauptgrund, für die immer geringer ausfallende Produktion.
Mit der Einstellung der staatlichen Produktion 1964 (ELA) in Sachsen bzw. 1971 in Hessen (Arno Arnold) verlor das Instrument seine Bedeutung. Es hatten sich sowohl die Piano- als auch die Knopfakkordeons gegenüber der „verqueren“ Tastatur des Bandonions durchgesetzt. Einzig [Gerhard Birnstock] (Enkel von Ernst Birnstock) hielt in Crimmitschau/Sa. die Stellung und baute und reparierte noch bis zur „Wende“ (dt. Wiedervereinigung) Konzertinas und Bandonions z.T. aus Lagerbeständen. Der heutige Bestand an Altinstrumenten aus Sachsen hat sich über Jahrzehnte weltweit verteilt.
Neue Bandoneons werden wieder hauptsächlich in {Sachsen} produziert (je nach Auftragslage, etwa 100 Stück jährlich) aber auch kleine Serien in Argentinien, Belgien, der Schweiz und Italien. Die Stimmplatten für den Bandoneonbau weltweit kommen überwiegend aus der Tschechischen Manufaktur [„Harmonikas„] und werden unter Einsatz moderner CNC-Technik hergestellt.
2. Unterbrechungs-Aerophon | Klangbildung
Die durchschlagende Zunge
Entwicklung, Klangbildung und ihre Bedeutung für Konzertina, Bandonion und Tango
Die durchschlagende Zunge ist das zentrale klangerzeugende Kernstück der Konzertina, dem Bandonion und aller Harmonikainstrumente. Ihre Entwicklung reicht bis zu uralten asiatischen Vorbildern der Sheng zurück und erlebte in Europa durch Pioniere wie Christian Gottlieb Kratzenstein, Anton Haeckl und Christian Friedrich Ludwig Buschmann wichtige Fortschritte.
Die durchschlagende Zunge (auch Durchschlagsunterbrecher oder Stimmzunge) ist ein federharter Metallstreifen, der auf einer Stimmplatte (Zink oder Aluminium) aufgenietet ist und beim Anblasen die durchströmende Luft periodisch unterbricht. Diese schnelle Unterbrechung der Luftsäule (Luftabriss) erzeugt Schallwellen und somit einen hörbaren Ton. Die Frequenz der Zunge hängt von ihrer Länge, Form und Masseverteilung ab und lässt sich durch Ab- oder Auftragen von Material fein stimmen.
Die Erstbewegung der Zungen erfolgt nur in einer Richtung und benötigen eine kleine Aufbiegung, um überhaupt zu losschwingen. Sie liefern ihre Grundfrequenz; die hörbaren Obertöne entstehen dabei hauptsächlich durch die Bewegung der umgebenden Luft. Resonierende Bauteile oder der Instrumentenkorpus tragen nur wenig zur klangspezifischen Färbung bei, da die Stimmzunge ein Selbstklinger ist und sind Harmonikas keine Resonanzinstrumente.
Historisch reicht dieses Schallerzeugungsprinzip bis in die Antike zurück und war bereits um 2800 v. Chr. in der chinesischen Mundorgel Sheng verbreitet. Erst durch den Austausch mit China gelangte die Technik nach Europa: Jesuiten wie Père Amiot brachten 1776 Stimmzungen nach Paris. Dort regten sie Forscher an, das Prinzip zu erforschen. Christian Gottlieb Kratzenstein verwendete es 1780 in seiner Sprachmaschine, und der Orgelbauer Franz Kirschnik übertrug es wenig später auf Kleinorgeln.
Im 19. Jahrhundert gewann die durchschlagende Zunge stark an Bedeutung. Georg Joseph Vogler trug dazu bei, dass diese Technik sich rasch in Europa verbreitete und in zahlreichen Orgeln als eigene Register und mechanischen Instrumenten eingesetzt wurde.
Als eines der ersten Tasteninstrumente mit durchschlagenden Zungen gilt die Physharmonika (ca. 1818/19, Anton Haeckl, Wien), die und als direkte Vorläuferin des Harmoniums bezeichnet werden kann.
Besonders wichtig war auch die Aeoline (oder Äoline), die der deutsche Instrumentenbauer Christian Friedrich Ludwig Buschmann um 1822 entwickelte. Dieses frühe kleine Balginstrument mit frei schwingenden Stimmzungen bereitete der späteren Entwicklung der Mundharmonika sowie aller Handzuginstrumente den Weg. Leider ist bisher keine belegbares Instrument aufzufinden.
Ein herausragendes Zentrum der Stimmzungen-Fertigung war die Firma DIX in Gera, die als besonders präziser Hersteller galt und die besten Stimmplatten ihrer Zeit produzierte. Diese erstklassige Qualität der DIX-Stimmplatten trug entscheidend dazu bei, dass der unverwechselbare Klang der Bandonions und der Tango-Musik geprägt wurde. Bis heute ist der berühmte, schneidend scharfe aber ausdrucksstarke Ton dieser Stimmplatten ein wichtiges Klangmerkmal der traditionellen Tangointerpretation.
Die Eigenheit des „Anzwitschern“ stark akzentuierter Töne ist nur mit Zinkplatten-Exportinstrumenten der Amerikaserien ab Mitte der zwanziger Jahre bis zum Kriegsbeginn 1939 zu erzielen. Im Klangvergleich mit Neubauinstrumenten ist es bisher selten gelungen, diesen Effekt zu erzielen. Selbst im Klanglabor Zwota/Sa. angefertigte Klanganalysen „alter“ Bandonions können diesen Effekt noch nicht erklären.
3. Konstruktion | Aufbau | Bezeichnung
Der prinzipelle Aufbau von Uhlig/Chemnitz aus dem Jahr 1834 ist bis heute erhalten geblieben. Natürlich haben sich Details über die Jahrzehnte weiterentwickelt und bilden die technologischen Möglichkeiten ab. Und dennoch gleicht der überwiegende Teil der Baugruppen wie Gehäuse, Stimmkanzellen, Hebelwerk, Federn, Lederventile, Papierbalg, Tasten u.a. etwa dem Konstruktionsstandard von 1850 und das unabhängig der Tonanordnung oder „Vielreihigkeit“.
Das Bandonion weist eine Reihe einzigartiger Merkmale auf, die es sowohl spieltechnisch als auch konstruktiv klar von anderen Harmonik-Instrumenten abgrenzen und ist gekennzeichnet durch eine doppelte Tastenbelegung: Jeder Ton erscheint zweimal, je einmal auf Zug und Druck, jedoch an unterschiedlichen Positionen auf der Tastatur. Es handelt sich also nicht um ein einfach skaliertes System, sondern um ein in zwei Richtungen vollständig disjunkt aufgebautes Klangraster. Daraus ergibt sich ein komplexes Spielprinzip, das einer eigenständigen, beidhändigen Griffsystematik bedarf. Dennoch existieren (je nach Tonumfang) etwa 20 gleichtönige Tasten, die auf Zug und Druck denselben Ton liefern und vorrangig zur Erleichterung musikalischer Übergänge und zur Reduktion technischer Sprünge eingesetzt werden.
Der Tonumfang eines vollständig ausgebauten Bandonions beträgt etwa 5½ Oktaven. Dabei sind Töne der kleinen und eingestrichenen Oktave teils sowohl auf der Bass- als auch auf der Diskantseite vorhanden – ein Umstand, der eine mehrfache Verfügbarkeit zentraler Töne innerhalb des Instruments zur Folge hat. Diese doppelte (bzw. redundante) Anordnung bestimmter Tonlagen ist nicht bloß ein akustisches Nebenprodukt, sondern Ausdruck einer spielerisch begründeten Klangarchitektur, die improvisatorische und harmonische Flexibilität ermöglichen soll.

externe Webseite
https://harmonicalibrary.de/bandoneon/?page_id=1537
Kooperation HTWK Leipzig und Bandonionverein Carlsfeld
Webseite
Bandonion, Bälge, Harmonikas
Webseite
Universitätsmuseum Bergen – Norwegen
technische Beschreibung
4. Ursprung - Rheinland oder Sachsen?
Der Ursprung des Bandonions liegt in Sachsen zwischen Chemnitz und Carlsfeld. Es gibt nicht den „einen“ Erfinder, das Bandonion ist ein Stufenwerk von Instrumentenbauern wie Buschmann, Demian, Uhlig, Lange, Zimmermann, Reichel, Seifert, Bäßler, ELA, Stark, Zademack, AA, Pegury und vielen ungenannten Instrumentenmachern & Konstrukteuren. Einzig Heinrich Band war konstruktiv daran nicht beteiligt.
Die Grundidee liegt bei Buschmann und Uhlig gleichermaßen. Buschmann baut zwischen zwei Mundharminkas einen Balg und nennt das Instrument „Handäoline“ (Anmerkung: dies ist bisher nicht quellengesichert). Uhlig konstruiert Hebelwerk (Clavis), verbessert die Ergonomie, die Ventilierung, die Dichtung und übernimmt die wechseltönige diatonische Tonanordnung (tonartgebunden). Die Tastaturerweiterung lässt nicht lange auf sich warten. Antrieb der Fortentwicklung des Instrumentes war und ist bis zum heutigen Tag, den Interventionen und Anforderungen der Musiker nachzukommen. Die „erfinderischen“ Leistungen als auch die immerwährende Investition in die Produktion und Verbesserung von Bandonions fanden in Sachsen statt.
Nicht zu unterschätzen sind die heimischen Zulieferer für Hölzer, Beschläge, Papiere, Leder, Leime, usw. Das klingende Herz und als „ultima ratio“ der Klangwirkung des Bandoneóns gelten die Stimmplatten der {Geraer Firma DIX}. Als sächsische regionale Besonderheit müssen die „Intarsienschneider“ [Intarsiatoren] genannt werden. Die Ernte der „Elstermuschel“ mit königlich sächsischem Erlass aus dem sächsischen Fluss Namens „Elster“ wurde um 1852 erbeten. Ein neu eingerichtetes {Museum im vogtländischen Adorf für die „Perlmutter“} gibt Auskunft über die vogtländische Perlmutterbe- und verarbeitung. Unter dem Begriff „Nacarado“ ist die Ausführung und Ästhetik der Einlegearbeiten ein besonderes Qualitätsmerkmal des sächsischen Instrumentenbaus.
Made in Saxonia
Bertelsmann Lexikon 2003: „Bandoneon, eine Konzertina mit mehr als 88 Tönen, die der Krefelder Händler H. Band (*1821, †1860) seit etwa 1845 herstellen ließ.“
Obwohl dieser Lexika-Eintrag von 2003 den historischen Ereignissen schon recht nahe kommt, ist er bemerkenswert sachlich. Deshalb bin ich fest davon überzeugt – die konstruktive Entwicklung des Instrumentes hat ohne Band stattgefunden. Es klingt gönnerhaft herablassend: „Band ließ herstellen“. Es ist nachweislich konträr, für Band und seine Nachfahren bauten sächsische Instrumentenhersteller, auf „Kundenwunsch“ extra aufwendige Ausführungen, was im Export zu allen Zeiten eingefordert wurde und wird.
„Made in Saxonia“ war vorreitend für die Etablierung der Marke „Made in Germany“. Ein Auslöser für diese Entwicklung waren unter anderem Waren aus Chemnitz auf der Weltausstellung London 1862; diese brachen erstmals die britische Dominanz im Maschinenbau. Beispielsweise bezeichnete das berühmte Jurymitglied Sir Joseph Whitworth die Maschinen von Johann von Zimmermann erstmals als „very good indeed“ („tatsächlich sehr gut“).
<<Die Genealogie und zeitlicher Geschichtsverlauf hier>>
5. Weltausstellungen & Gewerbeschauen
Weltausstellungen & Gewerbeschauen
Der Carlsfelder C.F. Zimmermann zeigt auf der ersten [Weltausstellung 1851 in London] seine neue erweiterte <chromatische Harmonika> mit zuschaltbarem Oktavregister unter dem Namen <Concertina>. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass die Engländer seit 1840 für sächsische Instrumentenimporte von der „German Concertina“ sprechen. Alle renomierten Instrumentenmacher aus Sachsen sind auf der [ersten deutschen Gewerbeausstellung 1854 in München] vertreten. Heinrich Band ist in den Teilnehmerlisten nicht zu finden!
6. Prospekte - Anzeigen - Tutoren
Im Bild 7 sehen wir „Carl Friedrich Uhlig“ (undatiert) und seine „Lebenswerke“. Oben links – ist die Diskantseite einer vierreihigen 88tönigen „Chemnitzer Concertina“ (bei Uhlig Accordion, in England ab 1840 „German Concertina“) abgebildet. Es beliebt jedem selbst, Uhlig als Plagiator oder Konstrukteur des Bandonions zu bezeichnen, da hier eindeutig die horizontale Erweiterung der Tastatur vorgenommen wurde. Dazu musste komplex in die Gesamtkonstruktion eingegriffen werden, neue Stimmplatten kreiert, die Gelenktasten eingeführt und neue Tastensymbole erdacht werden. Der Unterschied zum gleichtastigen Bandonion ist die „Umstimmung“ der doppelten Fis-Taste (9) zu Gis. Reichel geht den Schritt zum 100tönigen Accordion und Zimmermann zu seiner 108tönigen Concertina. Beide, Reichel und Zimmermann, haben bei Uhlig Instrumentenbau gelernt.




























